Die inre fäul' im leib' er weg gelinde nimmet

Wenn es Winter wird, muss früher oder später Grünkohl auf den Tisch. Gerade haben wir ein weiteres regionales Angebot entdeckt. Und gleich getestet.

Grün- bzw. Braunkohlpflanze auf einem Kupferstich von Matthäus Merian 1626. Links das Schloss Brake im lippischen Lemgo. (Stöwer, Herbert, Kupferstiche Lippischer Städte und Landschaften, Lemgo 1983, Nr. 44)

Lippe und Grünkohl - das gehört zusammen wie Scheveningen und Matjes, wie Köln und de Halwe Hahn, wie Berlin und Currywurst. Grünkohl, auch Braunkohl genannt, ist hier seit Jahrhunderten heimisch. Weil er eine beachtliche Größe erreichen kann, aber auch wegen seiner allgemeinen Physiognomie, nennen wir ihn auch Lippische Palme. [1]Wir haben übrigens auch eine Lippische Ananas - gemeinhin als Steckrübe bekannt.

Drei Gläser - das ergab schon eine ordentliche Portion. Kann man auch prima aufwärmen.

Es war keine dumme Idee, den Bio-Grünkohl aus dem Kalletal unter dem Namen "Lippische Palme" zu vermarkten. Ist ja nicht gelogen und hat Tradition. Und regionale Lebensmittel sollte man unterstützen - immer. Zumal, wenn sie es wert sind. Daher ist es auch schlau, dass der Landwirt auf seinem Internetauftritt auch gleich viele Bezugsquellen auflistet. Darunter auch der Supermarkt bei uns im Dorf. Sehr schön. [2]Es gibt aber auch noch andere Hersteller, fast in Sichtweite von uns.

Wer es noch nicht wusste: Grünkohl ist ein echtes Super-Food. Er steckt voller Betacarotin, Vitamin C und Vitamin K[3]Marcumar-Patienten, aufgepasst ..!.

Nun also habe ich den ersten Grünkohl des Jahres gekocht und das mit drei Gläsern des köstlichen Gewächses aus dem Kalletal - eigentlich ziemlich weit entfernt von der Kalle, bei Lüdenhausen, um genau zu sein.

Meistens kocht sonst meine Frau den Grünkohl, und das auch durchaus lecker. Ich mache ihn etwas anders. Nicht unbedingt besser, nur anders - hüstel. 😉

Grünkohl - regional, lecker, gesund. Was will man mehr?
Grünkohl mit Kohlwurst und Rauchendchen in unserem alten, schweren dänischen Schmortopf.

Ich nehme mehr Zwiebeln zum Anschwitzen und würze auch mit Piment. Die Kohlwurstringe vom Fleischer unseres Vertrauens brate ich kurz in Butterschmalz an, die Rauchendchen nicht.[4]Ist gesünder ... Die kommen so dazu. Dafür lasse ich den sonst üblichen angebratenen, durchwachsenen Speck weg.

Ansonsten braucht der Grünkohl nicht viel - etwas (!) Salz[5]Er kommt ja schon in einem Sud mit Meersalz., Pfeffer, ein satter Esslöffel Senf[6]bei mir grober selbstgemachter Knoblauch-Chili-Senf, zwei Esslöffel Haferflocken, ein Hauch Muskat und reichlich Zeit auf eher kleiner Flamme, um alles schön gemächlich zu vermählen. Dazu simple Salzkartoffeln. Nochmals abschmecken, und fertig ist das lippische Festmahl.

Bei uns reicht so ein Pott Grünkohl für mindestens zwei Tage. Kein Problem. Er wird jedes Mal etwas besser. Tipp: die Rest-Kartoffeln gleich mit dem Kohl erwärmen! Schmeckt einfach besser.

Anmerkungen

1 Wir haben übrigens auch eine Lippische Ananas - gemeinhin als Steckrübe bekannt.
2 Es gibt aber auch noch andere Hersteller, fast in Sichtweite von uns.
3 Marcumar-Patienten, aufgepasst ..!
4 Ist gesünder ...
5 Er kommt ja schon in einem Sud mit Meersalz.
6 bei mir grober selbstgemachter Knoblauch-Chili-Senf

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