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Die Logik des Militärischen

Es geht nicht anders, aber wenn ich Orts­na­men wie Sewas­to­pol, Kertsch, Mariu­pol, Sapo­ro­sh­je, Cher­son, Sim­fero­pol, Feo­dosia und eini­ge ande­re höre, dann kommt mir die­ser Krieg näher als mir lieb ist. 

Mein Vater hat sich in der Gegend län­ge­re Zeit unfrei­wil­lig her­um­ge­trie­ben. Mehr­fach ver­wun­det, Bom­ben­split­ter, Gra­nat­split­ter, Durch­schuss Infan­te­rie­ge­schoss etc. – eines der Front­la­za­ret­te, in denen er zusam­men­ge­flickt wur­de, lag in Alt-Sapo­ro­sh­je. Dort, wo jetzt das größ­te Atom­kraft­werk Euro­pas umkämpft war. 

Irgend­wie hat er, kaum älter als 22, die­sen gan­zen Wahn­sinn jah­re­lang an die­ser Front an der Krim über­lebt. Und auch das, was noch danach kam – unter ande­rem Ros­tow, Nal­t­schik im Kau­ka­sus – und dann die­ses Sta­lin­grad, mit knap­per Not. Bis es ihn, von der Ost­see in Lett­land 1944 nach August­dorf ver­schlug. Erst Ostern 1945 war für ihn der Krieg zu Ende. Nach einer letz­ten Kopf­ver­let­zung durch Gra­nat­split­ter am Schloss Wewer im sinn­lo­sen Kampf bei Pader­born. Eine Fami­lie in Neu­en­be­ken nahm den Ver­letz­ten auf, nach dem er sich durch das Flüss­chen Alme aus der HKL abge­setzt hat­te. Von dort ging es in bri­ti­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft auf den berüch­tig­ten Lagern auf den Rhein­wie­sen.

Es blie­ben unzäh­li­ge kör­per­li­che Nar­ben. Und wovon er geträumt hat, kann ich nur erah­nen. Reden kann ich mit ihm dar­über nicht mehr. Er ist schon vor 38 Jah­ren gestorben. 

Jeden­falls bin ich der Mei­nung, dass in der Ukrai­ne genug Men­schen ihr Leben gelas­sen haben. Frü­her und heu­te. Die­ser furcht­ba­re Krieg muss auf­hö­ren. Sofort!

Daher fällt es mir schwer, mich an die Logik des Mili­tä­ri­schen zu gewöh­nen, die immer nur den Ein­stieg in eine Spi­ra­le der Gewalt lie­fert, aber nie­mals eine Exit-Stra­te­gie. Schon als Rekrut hat­te ich mei­ne lie­be Not, das zu ver­ste­hen. Und dar­an hat sich nichts geän­dert. Sage ich als jemand, der sich nicht ein­mal als Pazi­fist versteht.

Und das blu­ti­ge Geschäft des Tötens erle­di­gen seit jeher in der Regel nicht die Schreibtisch-Strateg:innen.

»Die Nazis wur­den nicht von Pazi­fis­ten besiegt«

Völ­ker­recht­le­rin Isa­bel­le Ley

Stimmt. Aber sie wur­den von Mili­ta­ris­ten geschaffen.

Some­ti­mes histo­ry is repeating.

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