Was für eine schäbige Scharade

Lie­fers und Bruch. Gesich­ter eines unfass­ba­ren Tabu­bruchs. Die­se bei­den und noch 51 andere.

Heu­te geht es mir ein biss­chen so wie an dem Tag, als sich 3 Doors Down als Unter­stüt­zer von Donald Trump geoutet haben. Ich hat­te tage­lang Brech­reiz, kann sie auch nach Jah­ren immer noch nicht hören. 

Heu­te fühlt sich das auch so an. Nur schlim­mer. Dut­zen­de bekann­te deut­sche Schau­spie­ler und Schau­spie­le­rin­nen machen sich zu Dep­pen von soge­nann­ten Quer­den­kern, Reichs­bür­gern, Coro­na­leug­nern, durch­ge­knall­ten Ver­schwö­rungs­gläu­bi­gen, Staats­has­sern und sons­ti­gen Spin­nern, die sich in den (Netz-)Dreckecken die­ser Repu­blik fin­den las­sen. Da braucht es kein Ora­kel. Da muss man nur zuhö­ren. Dar­an ändert auch kein »Demen­ti« oder eine faden­schei­ni­ge Distan­zie­rung was. Punkt.

Um es mit Max Lie­ber­mann zu sagen: »Ick kann janich so viel fres­sen, wie ick kot­zen möchte!«

So sieht’s aus.

Wenn die Betei­lig­ten wirk­lich glau­ben soll­ten, einen intel­li­gen­ten Bei­trag zu einer gesell­schaft­li­chen Dis­kus­si­on zu leis­ten, sind sie tat­säch­lich so strunz­dumm, wie sie jetzt daste­hen. Wahr­schein­lich dau­ert es höchs­tens noch einen Tag, dann wer­den sie den geord­ne­ten Rück­zug antre­ten und sich mit eben­so durch­schau­ba­rem wie zyni­schem Gefa­sel à la »Sati­re darf alles« oder »Ist halt Kunst« aus der Affä­re zu zie­hen ver­su­chen. Auch stets beliebt und beson­ders per­fi­de: »Es tut mir leid, dass ich da falsch ver­stan­den wur­de.« Dabei wur­den sie gar nicht miss­ver­stan­den. Das war ein­deu­tig. Rudern im Rück­wärts­gang. Wird aber nicht klappen.

Zwei-Tüten-Atmer Mül­ler. Offen­bar aku­ter Sau­er­stoff­man­gel – schlecht fürs Gehirn. Behin­dert das Denken.

Man­che ver­su­chen inzwi­schen auch, sich klamm­heim­lich im zügi­gen Seit­schritt aus der HKL zu ver­pis­sen und ihr epo­cha­les Video löschen zu las­sen.[1]Geht schon los. Funk­tio­niert garan­tiert nicht. Die Coro­na­leug­ner-Fan­grup­pe von Lie­fers und Kon­sor­ten hat alles längst gesi­chert und ver­teilt es hell­auf begeis­tert wie blö­de. Es dürf­te inzwi­schen zig­tau­sen­de Kopien und Com­pi­la­ti­ons auf zig Ser­vern geben. Da könn­te man auch ver­su­chen, einen Pfurz zurück in den Arsch zu drü­cken. Aber das Inter­net ver­gisst nie.

Ich übri­gens auch nicht.

Clips wie etwa der von Wotan Wil­ke-Möh­ring, der über die Bedeu­tungs­va­ri­an­ten von »posi­tiv« und »nega­tiv« sin­niert, sind ein­fach nur zum Fremdschämen.

ntv

Alle, die Bekann­te, Freun­de und Ver­wand­te an Coro­na ver­lo­ren haben oder sie lei­den sehen, alle, die in Kli­ni­ken, Alten­hei­men, Schu­len, Kin­der­gär­ten und Fami­li­en jeden Tag und oft schon mit letz­ter Kraft gegen die Pan­de­mie kämp­fen, wer­den die­ses wider­li­che, dümm­li­che Geschwätz[2]PLURV von Lie­fers, Makat­sch, Möh­ring, Fol­kerts, Bruch, Bram­bach, Becker, Tukur und Co. nicht ver­ges­sen können. 

Eine furcht­bar trau­ri­ge und vor allem schä­bi­ge Scha­ra­de, die ich bis heu­te nicht für mög­lich gehal­ten hät­te. Und eini­gen der Teil­neh­mer nie­mals zuge­traut hät­te. Eine Schan­de für die Zunft. Und für das gan­ze Land.

Wer die Idee zu der Kam­pa­gne hat­te, ist noch unklar. Im Impres­sum der zuge­hö­ri­gen Inter­net­sei­te steht ein Mann, der das Coro­na­vi­rus schon vor Mona­ten mit dem Grip­pe­vi­rus gleichsetzte.

Tages­spie­gel

Da las­sen sich ver­meint­lich nam­haf­te Mimen von einem noto­ri­schen Coro­na­ver­harm­lo­ser aus Mün­chen vor den Kar­ren span­nen. Was für ein wun­der­sa­mer Vor­gang. Das macht nichts bes­ser, eher alles schlim­mer. Und wer da letzt­lich auf dem Kutsch­bock sitzt, wis­sen wir noch gar nicht. Der Herr »Wun­der« – bür­ger­lich Bernd Katz­mar­c­zyk -, der mit Ken Duken und Nor­bert Kneißl die Ber­li­ner Pro­duk­ti­ons­fir­ma Grand Hôtel Pic­tures betreibt, will es ja nicht sein. Der Herr Brüg­ge­mann auch nicht. Jeden­falls nicht alleine.

Chef-Quer­den­ker Micha­el Ball­weg und die Schau­spie­l­er­rie­ge – man ver­steht sich blind.

Aber in die­ser Pan­de­mie zeigt sich eben nicht zum ers­ten Mal gna­den­los, auf wen man zäh­len kann, wenn es schwie­rig wird, und wer ein selbst­ge­rech­tes, ego­is­ti­sches, empa­thie­frei­es Arsch­loch ist und dafür erwart­bar fre­ne­ti­schen Bei­fall aus der soli­da­ri­schen Covidio­ten-Ecke bekommt. Hat da jemand »Boer­ne« gesagt?

In 53 kur­zen Vide­os läs­tern die Damen und Her­ren zu lei­ser Kla­vier­mu­sik über die Angst vor dem Virus. Sie rau­nen Wir­res. Sie machen sich lus­tig über Men­schen, die vor Erschöp­fung am Git­ter­bett ihres Kin­des hän­gen und wei­nen. Sie mokie­ren sich vol­ler Häme über jene, die die Maß­nah­men gegen Coro­na mög­li­cher­wei­se auch nicht durch­ge­hend logisch, ver­ständ­lich, super­toll und wir­kungs­voll fin­den, die aber immer­hin bereit sind, ihr Ego für ein paar Mona­te zurückzustellen.

RND

Dem Ver­neh­men nach plant #alles­dicht­ma­chen aka #nie­wie­der­auf­ma­chen aka #lock­down­fürim­mer jetzt eine Lese­rei­se mit allen Teil­neh­mern durch die Inten­siv­sta­tio­nen des Lan­des, um Pati­en­ten und Per­so­nal zu erhei­tern. Danach folgt eine inter­na­tio­na­le Tour­nee der deut­schen (und öster­rei­chi­schen) Großschauspieler:Innen, um den Rest der Welt zu erleuchten. 

Ers­te Sta­ti­on: Indi­en.[3]Aktu­ell mehr als 330.000 Neu­in­fek­tio­nen am Tag, 16 Mil­lio­nen Infi­zier­te ins­ge­samt.

Ein zur Abwechs­lung mal *wirk­lich* sehens­wer­tes Video zu dem The­ma ist die­ses vom Para­bel­rit­ter.

Und noch eines von der »Basis«, der sich die GEZ-gepam­per­ten TV-Schwätzer:Innen[4]teil­wei­se sechs­stel­li­ge Gagen – pro »Tat­ort« angeb­lich doch so nahe fühlen.

Ich per­sön­lich betrach­te die Lis­te der 53 Teilnehmer:Innen künf­tig als Blockliste. 

Dank­bar bin ich dem groß­ar­ti­gen Ulrich Matthes für sei­ne über­aus inte­gre und kla­re Stel­lung­nah­me am Abend in der Kul­tur­zeit auf 3sat (ab 04:05 Min.).

Und wer es dann immer noch nicht ver­stan­den hat, fin­det alle Argu­men­te, was falsch an der Akti­on ist, hier.

Anmer­kun­gen

Anmer­kun­gen
1 Geht schon los.
2 PLURV
3 Aktu­ell mehr als 330.000 Neu­in­fek­tio­nen am Tag, 16 Mil­lio­nen Infi­zier­te insgesamt.
4 teil­wei­se sechs­stel­li­ge Gagen – pro »Tat­ort«

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